Ein Produktlaunch auf einer Bühne erreicht zwei Gruppen gleichzeitig. Im Saal sitzen geladene Gäste, Handelspartner, Fachjournalisten und Ihr eigenes Vertriebsteam. Über den Livestream kommen Kunden, Partner aus dem Ausland und Kollegen an anderen Standorten dazu. Diese zweite Gruppe ist oft die größere. Beide Gruppen erleben denselben Termin, aber unter verschiedenen Bedingungen.
Im Saal sehen die Gäste die gesamte Bühne, erleben das Geschehen ringsum, haben Sitznachbarn und können das Produkt nach der Präsentation sogar in die Hand nehmen. Die Zuschauer im Stream sehen nur das Kamerabild und hören nur den Ton, den die Technik für den Stream mischt. Ein Stream, der ohne ein durchdachtes Konzept lediglich nebenher mitläuft, verliert diese zweite Gruppe schnell. Die meisten Ursachen dafür sind ein Ablauf, der das digitale Publikum nicht mitdenkt, sowie fehlende technische Anpassungen.
Der Ton muss sowohl im Saal hervorragend funktionieren als auch bei den Zuschauern zu Hause, die ihn über Kopfhörer hören. Das Licht muss im Saal die richtige Stimmung erzeugen und dabei hell und gleichmäßig genug für die Kamera sein. Und die Medientechnik muss die Leinwand im Saal versorgen und die Folien zusätzlich in den Stream geben. Diese drei Bereiche der Eventtechnik müssen daher nicht nur gemeinsam gedacht werden, sondern auf die unterschiedlichen Anforderungen ausgerichtet sein.
Was sehen die Stream-Zuschauer von Ihrer Bühne?
Die Kamera zeigt immer nur einen Ausschnitt. Zeigt der Sprecher auf die Leinwand hinter sich, um die technischen Daten des neuen Geräts zu erklären, sehen die Zuschauer im Stream davon womöglich nichts. Die Leinwand liegt außerhalb des Bildes. Dasselbe passiert, wenn er das Produkt an einen Kollegen am Bühnenrand weitergibt.
Vier Vorgaben verhindern das.
- Folien direkt einspielen: Die Zuschauer im Stream bekommen die Präsentation direkt aufs Bild, auch wenn die Leinwand außerhalb des Kamerabildes liegt.
- Zweite Kamera aufs Produkt: Sie zeigt Details in Großaufnahme, die im Saal nur die erste Reihe erkennt.
- Positionen auf der Bühne markieren: Klebemarken auf dem Boden zeigen dem Sprecher, wo er stehen muss, damit er im Bild bleibt.
- Skript anpassen: Formulierungen wie “hier hinten” oder “da oben” ersetzen Sie durch Beschreibungen, die auch ohne Blick in den Saal verständlich sind.
Für die Einspielung sorgt die Medientechnik. Sie bespielt die Leinwand im Saal und liefert dasselbe Bild getrennt davon an den Stream, damit die Folien dort scharf bleiben.
Gehen Sie den Ablauf vorher mit der Bildregie durch und markieren Sie jede Stelle, an der etwas außerhalb des Kamerabildes passiert. Notieren Sie die Änderungen im Ablaufplan, damit Kameraleute und Moderation mit derselben Version arbeiten.
Warum klingt der Saalton im Stream hohl?
Im Saal hören die Gäste die Stimme aus den Lautsprechern, dazu den Nachhall von den Wänden und die Geräusche ihrer Nachbarn. Vor Ort stört das niemanden, weil alle sehen, wer gerade spricht.
Nimmt eine Kamera diesen Ton mit ihrem eingebauten Mikrofon auf, nimmt sie all das mit. Im Stream klingt die Stimme dann weit weg und hohl. Deshalb bekommt der Stream einen eigenen Ton. Die Technik greift ihn direkt an den Mikrofonen der Sprechenden ab.
Besonders wichtig wird das bei Fragen aus dem Publikum. Im Stream kommt eine Frage aus der zehnten Reihe gar nicht an. Die Zuschauer hören dort nur die Antwort und wissen nicht, worum es ging. Zwei Funkmikrofone im Mittelgang lösen das. Alternativ bietet es sich auch an, dass die Moderation jede Frage wiederholt.
Auch die Art der Mikrofone macht einen Unterschied. Ein Handmikrofon wandert von Sprecher zu Sprecher, und beim Weitergeben entstehen Geräusche, die im Saal untergehen und im Stream deutlich zu hören sind. Ein Headset sitzt fest und klingt über den ganzen Termin gleich.
Für diese Aufgabe benötigen Sie eigene Technik am Pult und eine Person, die den Streamton während der Veranstaltung mithört. Ein erfahrener Anbieter für Tontechnik wie ETnord bringt beides mit und prüft beim Soundcheck, wie die Fragen aus dem Publikum online ankommen.
Warum braucht die Kamera anderes Licht?
Das Licht auf der Bühne ist für die Augen im Saal gemacht. Das Auge kommt mit größeren Helligkeitsunterschieden gut zurecht, eine Kamera weniger. Steht der Sprecher in einem engen Spot, ist sein Gesicht im Stream zu hell und alles daneben verschwindet im Dunkeln.
Farbige Scheinwerfer auf dem Produkt bringen ein zweites Problem. Ein weißes Gehäuse wirkt unter blauem Licht kühl und unter rotem warm. Im Stream sieht der Zuschauer dann eine Farbe, die das Produkt nicht hat. Planen Sie deshalb ein weißes Grundlicht auf der Bühne ein, das auch hell genug für die Kamera ist.
Was passiert im Stream während der Umbaupause?
Eine Pause überbrücken die Gäste im Saal von selbst. Sie stehen auf, holen sich einen Kaffee und kommen ins Gespräch. Die Stream-Zuschauer sehen in dieser Zeit nur eine leere Bühne. Mit den folgenden vier Maßnahmen haben Sie die Möglichkeit, diese freien Zeitslots zu füllen:
- Countdown bis zum Weitergehen: Eine Einblendung zählt die Minuten herunter, bis das Programm auf der Bühne weiterläuft. Digitale Zuschauer wissen dann, wann sie zurück am Platz sein sollten und können ebenfalls eine kurze Pause einlegen.
- Standbild mit Programm: Eine vorbereitete Grafik zeigt, wie lange die Pause dauert und welche weiteren Programmpunkte anstehen.
- Kurzes Gespräch: Eine zweite Person führt online durch die Pause und stellt einem Gast aus dem Entwicklungsteam ein paar Fragen.
Wer betreut die Zuschauer am Bildschirm?
Für die Gäste im Saal gibt es feste Ansprechpartner am Einlass und an der Bühne. Am Bildschirm fehlt diese Rolle oft oder wird nicht rechtzeitig mitgedacht. Benennen Sie daher eine Person, die den Rückkanal im Blick behält, die Fragen sammelt und sie zu festen Zeitpunkten an die Moderation gibt.
Rechnen Sie außerdem mit einer Verzögerung. Zwischen dem gesprochenen Wort auf der Bühne und dem Bild beim Zuschauer liegen je nach Plattform mehrere Sekunden. Eine Frage in die Kamera und das Warten auf eine Reaktion funktionieren deshalb nicht. Legen Sie feste Zeitfenster für den Austausch fest und kündigen Sie sie im Ablauf an.
Fazit: Planen Sie den Launch für beide Gruppen gleichermaßen
Die Technik für den Saal steht bei den meisten Launches lange vor dem Termin fest. Der Stream wird oft erst danach besprochen, wenn die Kamerapositionen und der Ton für die Übertragung keinen Platz mehr finden. Nehmen Sie ihn in dieselbe Planungsrunde wie die der Bühnengestaltung mit auf. Dann erreichen Sie mit Ihrem Launch auch die Zuschauer, die digital zugeschaltet sind.
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